Klage von Vogt Reuß aus Hofheim über undankbare Hospitaliten
Hochwohlgebohrner Freyherr
sonders hochzuverehrender Herr Obervorsteher!

Die beiden Hospitalitten Wunderlich und Schmid sind glücklich hier ankommen und sehr zufrieden, daß sie sich nun ihren Geburtsorten nächer befinden. E[uer] Hochwohlgeb[oren] statte ich für den guten Tausch den unterthänigen Danck ab, denn beide Hospitalitten führen sich recht gut auf. Es wäre zu wünschen, daß sich die übrigen hiesigen Hospitalitten auch so betrügen, aber es ist das undankbarste und gröbste Volk, das sich nur denken läßet.
Sie waren so unverschämt kürzlich mich für die viele Sorge, so ich um sie trage schriftl[ich] bey H[errn] Reg[ierungs] Rath Rayhs oder eigentlich bey hochfürstlicher Samt Commißion zu verklagent, vorgebend, daß ich ihnen nicht das halbe Brennholz verabreichen ließe, das sie ehedeßen erhalten hätten. Und verlangten zugleich den Nachtrag von Hembdertuch von 3 Jahren für einen jeeden Hospithalitten mit 33 Ehlen Hoßen und Camaschentusch, wo sie doch alle hinlänglich mit Hembder p. versehen sind. Sie waren eben gewohnt die Leinwand jährlich ohnverarbeitet zu empfangen und solche an Brandewein und Caffee zu versaufen.
Um E[urer] Hochwohlgeb[oren] sowohl als Fürstl[ichen] Samt Commißion von dieser lügenhaften und unverschämten Klage zu überzeigen, laße ich aus mehreren Rechnungen Auszüge machen, die ich E[urer] Hochwohlgeb[oren] nebst Bericht, sobald mirs die Zeit erlaubt, zusendenn und um die nöthige Satisfaction bitten werde.
Die von dem Hospitalitten Bernewald geschwängerte Elisabetha Riedlin ist den 27. dieses mit einem todten Kind, das schon in Fäulniß übergegangen war, in dem 7ten Monat ihrer Schwangerschafft nieder kommen. Auf diese Art hätte man nicht für die Verpfleg- und Erziehung des Kindes zu sorgen.

Ich verbleibe hochachtungsvoll

E[urer] Hochwohlgeb[oren]
unterthäniger D[iener]

Reuhs

Hofheim, d. 30ten Dec[ember] 1799"
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