Schuldentilgungsplan für das Hospital Haina
Das Dokument ist mehrere hundert Seiten stark und enthlt neben diesen einleitenden berlegungen zahlreiche Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben, einen Speiseplan, mehrere Entwrfe fr neue Ordnungen, die zum Teil ebenfalls in der Datenbank enthalten sind.

"OECONONIE und Schulden Tilgungs Plan vom Hohen Sammt Hopital Haina"

Laut Aufschrift prsentiert in Haina am 15. November 1773.

 

[S. 1] "Oeconomie- und Schulden-Tilgungs Plan

vor das hohe Samt Hospital Haina

 

[S. 3] Nachdeme von beyden Regierenden Hochfrstlichen Huern Hessen-Darmstatt und Hessen-Cael die verfallene Umstnde der Hohen Samt Hospitalien gndigst behertziget und uns zu Ende unterzeichneten Frstlichen Rthen und Dienern aufgetragen worden, bey gegenwrtiger Samt-Visitation einen Plan zu entwerfen, wie die Einnahm vermehret – die Ausgab vermindert und eingeschrnckt – und diese mit jener also bilanciret werden knne, damit jhrlich ein gewies zu allmhliger Abtragung der Schulden brig bleiben mge: So haben [S. 4] wir diesen gndigsten Auftrgen zu schuldigster Folge auch whrend den ordentlichen Geschften der Samtvisitation immer nhere Kntne von denen Ursachen des Verfalls einzuziehen gesucht, soviel als thunlich gewesen, dieses Geschfte nher eingeleitet, besonders auch ein und andere von den in der Folge berhret werdenden Etats und berschlgen zu stande gebracht, und uns nach Abschlu des Visitationsrecesses an wrckliche Ausfhrung des Plans begeben.

Wir finden hierbey nthig, ein jedes Hospital mit seiner gantzen Wirtschafts-Verfaung vorerst besonders in Erwegung zu ziehen, und machen dahero [S. 5] den Anfang mit

Haina.

Vor allen Dingen ware es erforderlich einen sicheren Etat von der effectiven Einnahm und Ausgab dieses Hospitals zu Stande zu bringen, welchen wir also hier anschlieen, und dabey die Grundstze bemercken, nach welchen wir sowohl in Bestimmung der Einnahm als der Ausgabe zu Werck gegangen sind. Die erste Bemerckung, die wir machen konten, ware ein solches Gebrechen in der ganzen Rechnungs-Verfaung, das die Verfertigung eines zuverligen Etats von Einnahm und Ausgab bey nahe unthunlich machte.

Bey denen einzelnen [S. 6] Rechnungen wird alsdann, wann die {monita generalia|allgemeine Mngel} des diejhrigen Recesses befolgt werden, wenig mehr zu erinnern seyn. Aber als einen Hauptfehler des hiesigen Rechnungs-Systems (wann es diesen Nahmen verdiente) sehen wir diesen an, da keine Rechnung vorhanden ist, welche schlechterdings alle Einnahm und eben so alle Ausgabe des Hospitals in sich begreife.

Die hiesige Renthschreiberey-Rechnung hat wohl einige Anlage zu einer Hauptrechnung, aber sie ist es nicht wrcklich, dann sie enthlt nur den berschu aus andern Rechnungen, und eben so wenig enthlt sie alle und jede Ausgaben des Hospitals. [S. 7]

Wenn noch etwa die Renthereyrechnung alle und jede Geld- und die Fruchtschreibereyrechnung alle Fruchteinnahm und Ausgabe in sich fate, so wrde es zur eusersten Noth allenfals hinreichen. Allein es ist beydes nicht. Die erst durch die neuere Bemhungen einiger Finanzverfaungen so wichtig gewordene bersehung des Ganzen fllt also vllig hinweg. Und alle Mngel und Gebrechen der innern Hauhaltung sind ofters selbst mit der grsten Mhe nicht einmahl zu entdecken. Noch weniger ist ihnen bey diesen Umstnden grndlich abzuhelfen und am allerwenigsten wird ein sich ohnehin auf viele Jahre beziehender Plan im gantzen glcklich [S. 8] ausgefhret werden knnen, wenn man nicht gleichsam zu jeder Stunde bersehen kann, ob er noch in allen seinen Theilen beobachtet wird und wann man nicht Einnahm und Ausgab in einem bestndigen Gleichgewicht und resp[ektive] jene in einem gewien bergewicht durch eine eben so punctliche als ununterbrochene Aufsicht erhalten kann.

Wir haben bey Verfertigung des Etats die beste Gelegenheit gehabt, diese unzielsetzliche Gedancken zu abstrahiren: Da aber der unterthnigste Vorschlag einer weiteren Ausfhrung bedarf, und wir die Zeit in aller Absicht zu oeconomisiren ntig finden, [S. 9] so hat der Hochfrstl[iche] Hessen-Darmstdtische {Commissarius primarius|erster/vorgesetzter Kommissar} bernommen, den Vorschlag nher auszubilden. Und knnte solcher als dann, fals er hchsten Orts einen gndigsten Beyfall findet, durch Correspondenz zu einer Wrcklichkeit gebracht werden.

[Am Rand: Etat der effectiven Einnahme und Ausgabe /N[ummer] 1] Aus denen eben angefhrten Grnden knnen wir anliegenden Etat mit seinen weitluftigen {Subadjunctis|Unterabteilungen} fr nichts Genaues und in allen Stcken zuverliges ausgeben. Indeen vermochten wir es bey denen jetzigen Einrichtungen, bey welchen alles creutzwei durcheinander lauft, aller angewandten Mhe ohnerachtet nicht weiter zu bringen. Wir haben aber, wie aus denen beym Etat befindlichen Anmerckungen gndigst ersichtlich seyn [S. 10] wird, solche Reguln bey Bestimmung der effectiven Einnahme beobachtet, welche uns versichern, da wir die daselbst festgesetzte total Einnahme und Ausgabe im Durchschnitt annehmen drffen.

Die Einnahme bestehet also

Rthl.

Alb.

H.

in

41.599.

11

-

Die Ausgabe

45.288.

15

3

Verglichen, fehlen

3.689.

4.

3


folglich durch andere Einrichtungen nicht nur beygebracht, sondern berdas noch solche Anstalten getroffen werden men, damit jhrlich zu Abtragung der Schulden etwas Nahmhaftes angewendet, und wahrscheinlicher Weise [S. 11] bestimmt werden knne, in welchen Jahren das Hospital vllig Schulden frey seyn werde.

[Am Rand: Verbeerung der Einnahme] Bey der stndigen Einnahme lst sich wohl in keiner Rechnung etwas Erhebliches verbeern. Und es kann etwa nur hier und dar in einzelnen Fllen unter der Hand etwas aufgesetzet werden. Wir wenden uns also sogleich zu der unstndigen Einnahme und werden dieselbe noch denjenigen verschiedenen Rubriquen durchgehen, bey welchen wir glauben, da etwas verbeert werden knne.

[Am Rand: Landwirtschafft / 2.] Wir beziehen uns deshalben auf die anliegende Ausfhrung. Sie wird die hauptschlichsten Verbeerungspuncte mit den nthigen Erluterungen enthalten; [S. 12] aber freylich haben wir mit auser Linien gezeichnet und uns bemhet, nur das wesendliche anzugeben, worauf es bey Verbeerung der hiesigen LandWirtschafft ankommt.

Die bisherige Fehler, worann nach unserer Einsicht schlechterndings unverzeihlich und durch alle einzelne Bemerckungen wrde im ganzen nicht geholfen gewesen seyn.

Wir suchten also den Zusammenhang der Gebrechen einzusehen und fanden allenthalben Schaden und Verlust, den das Hospital litte.

Wenn wir annehmen, da die Verbeerungen zu Stande kommen und wenn wir auf diese Weie auch nur das {damnum cessans|Verlust an Abgaben} [S. 13] berechnen, so wrden wir schon die verbeerte Landwirtschafft mit einem ganz erheblichen Quanto in Anschlag bringen knnen. Wir finden es aber rthlicher, dem biherigen Ertrag der Landwirtschaft durch sonst bekandte Cameralische Ausrechnungen noch zur Zeit keine Erhhung zu geben.

Einestheils bleibt bey dergleichen berschlgen immer viel Ungewiheit brig und anderentheils will auch der Aufwand berechnet seyn, den alle oeconomische Verbeerungen nothwendig voraussetzen. Wir wnschten in dem Plan nur Gewiheit und keine blose Wahrscheinlichkeit zu haben. Und wir werden daher in der Folge einen unterthnigsten Antrag thun, [S. 14] wann und wie nach und nach verschiedene Arten von {Meliorationen|Verbesserungen}, die erst mit der Zeit zustande kommen, in Anschlag gebracht, mit ihrem Ertrage in den Plan aufgenommen und auf diese Weise die Amortizationsquanta etwa von 3 Jahren zu 3 Jahren erhhet werden knten.

Im brigen wird auch die umstndlichste Anweisung zu Verbeerung der LandWirtschaft vergeblich seyn, wann nicht ein activer sachverstndiger Mann die Aufsicht – und zwar eine sehr detaillierte – von dem ntigen Ansehen untersttzte Aufsicht ber das Ganze erhlt.

Wir men es vor einen Fehler halten, da biher diese Aufsicht in verschiedenen Verhltnus mehreren Hospithals- [S. 15] dienern bertragen ware.

Der Fruchtschreiber hat sie in seiner Instruction, der Gerichtsschreiber gewiermasen ebenfals und dem Kchenmeister ist sie hauptschlich bertragen.

Einer schiebts auf den andern, in vielen Fllen kann auch keiner ohne den andern etwas thun. Am Ende des Jahres hat ein jeder Entschuldigungen und es ist niemand vorhanden, an den man das Versumte, das Verdorbene mit ganzem Ernst fordern knnte.

Wann ein zeitiger Kchenmeister nach den neuern Einrichtungen, die wir in der Folge untertnigst in Vorschlag bringen werden, die nemliche Arbeit bey der Kchenhauhaltung behielte, die er jetzt hat, wenn er seinen Dienst pnctlich abwarten will, [S. 16] so wrden wir es fr ohnmglich halten, da er zugleich eine so hochntige detaillierte Aufsicht auf die Landwirthschaft fhren knnte. Da er aber nach jenen Einrichtungen sehr erleichtert werden drfte, so ist es immer mglich, da er sie beybehlt und ungleich exacter fhret, als es bihero geschehen konnte.

Inzwischen sind von dem jetzigen Kchenmeister weder landwirthschaftliche Kentne noch Erfahrungen mit Billigkeit zu erwarten, und wir finden unter denen hiesigen Bedienten nach sorgfltigen Prfungen auer dem Rentschreiber Exter niemand, der sich zu einem verstndigen und emigen Aufseher der Landwirthschaft beer [S. 17] schickte als der Gerichtsschreiber Reccius.

Ersterer hat schon einen mhsamen Dienst und er drffte durch verschiedene neue Auftrge in der Folge noch mhsamer werden. Wir sind also des Dafrhaltens, da die Aufsicht ber die Landwirthschafft nebst der Vorwercksrechnung dem jetzigen Kchenmeister abzunehmen und dem Gerichtsschreiber Reccius zu bertragen seye.

Ohnehin mchte auch der Fruchtschreiber Frlich davon zu {dispensiren|entlasten/freistellen} und berhaupt die ganze Aufsicht der Landwirthschaft jedesmahl nur einem sachverstndigen und activen Manne [S. 18] zu bertragen, dieser aber auch fr alles {responsable|verantwortlich} zu machen seyn.

Da der Gerichtsschreiber Reccius auf diese Weise nicht nur um eine sehr weitluftige Mhe und Arbeit, sondern auch in der That erhebliche Verantwortung auf sich bekomt, ihme die bihero von dem Kchenmeister bezogenen 20 Rthlr. an Geld nebst der Erlaubnus einer Kuhe zu halten, zu einiger Belohnung und Aufmunterung bey seiner ohnehin geringen Besoldung zuzulegen seyn.

[am Rand: Berg-, Htten und Hammerwerck] Da wir hier die Einnahme nicht sowohl nach denen Rechnungsrubriquen [S. 19] als vielmehr nach denen verschiedenen Arten von Gthern, Gewerben und Nahrungsgeschfften durchgehen, welche dem Hospital Einknfte bringen, oder doch bringen knten, und auch von diesen nur diejenigen wehlen, bey welchen wir glauben, da etwas verbeert und vermehret werden knne, so kommen wir auf das Berg-Htten- und Hammerwerck. [am Rand: /3.]

Wir glauben auch hier in der Anlage die wesendlichsten Vorverbeerungspuncten bemerckt zu haben, und wir freuen uns, da das Hospital an dem jetzigen Httenschreiber Fresenius einen Mann hat, der ein Berg- und Httenmann von Proffession und [S. 20] dannenhero im Stande ist, diese Verbeerungen mit Kntn und Erfahrung glcklich auszufhren. Wir bringen brigens die daher entstehende in der Folge hoffentlich sehr erhebliche Verbeerungen der Einnahm aus den bey der Landwirthschafft angefhrten Grnden noch zur Zeit ebenfalls in keinen Anschlag.

[am Rand: Pottascherey] Auch in Absicht auf diese {coctur|??} beziehen wir uns, um dem Hauptplan in einer gewien Krtze zu erhalten, auf die Anlage N. 4 [am Rand: /4.], aber es steht nicht zu erwarten, da die daselbst untertnigst vorgetragene Verbeerungen zu Stande [S. 21] kommen und da diese Fabrique eintrglich wird, wann nicht mit denen Aufseher und Berechner sowohl als mit dem Pottaschensieder selbst eine Vernderung vorgenommen werden kann.

Die Aufsicht und Berechnung hat biher ebenfals der Kchenmeister gehabt. Wir halten aber ohnzielsetzlich dafr, da sie in mehr als einem Betracht dem Wirtschaftlichen mit gutem Eifer versehenen Renthschreiber Exter zu bertragen seye.

Hauptschlich hat derselbe doch einige Routine von dergleichen Fabrique und dann ist die Pottascherey auch ziemlich nahe bey seinem Haue gelegen. [S. 22] Dasjenige, was der Kchenmeister biher besonders von der Pottascherey genoen, knnte noch zur Zeit eingezogen, dem Renthschreiber aber gndigst zugesichert werden, da, wenn er nach einiger Zeit von wrcklich zu Stande gekommenen Verbeerungen dociren wrde, ihm zu seiner fernern Aufmunterung eine Zulage geschehen solle. Der Pottaschensieder hat bihero die Speiung andere {Fixa|feste Besoldungsgaben} genoen, und diese bleiben ihme, es mgte viele oder wenige Pottasche verfertiget werden.

Wir sind berzeuget, [S. 23] da die Fabrique ein ganz anderes Ansehen bekommen wrde, wann der Pottaschensieder auser aller Kost und fixen Einnahme und statt deen auf ein gewies {Accidenz|anteilige Abgabe, umsatzabhngig} vom Centner gesetzet wrde. Es knnte in 1 Centner per Cent: bestehen, und der Pottaschensieder wrde auf diese Weise die Hofnung vor sich haben, bey mehrerem Fleie seinen Gehalt hher zu bringen, als er bihero ware.

Endlich bemercken wir noch, da es mit dem Ankauff der Asche dermahlen nicht allzu ordentlich zugehet. Der Pottaschensieder bekommt [S. 24] aus der Rentherey von Zeit zu Zeit ein gewies Stck Geld und bezahlt davon die Hintersaen des Amts Haina, die doch dem Hospithal allemahl mehr schuldig sind, als ihnen fr Asche gebhret. Ihnen wre also knftig fr Asche kein baares Geld zu geben, sondern der Betrag an dem, was sie bey der Rentherey verschulden, abzuschreiben.

[am Rand: Mhlen] Das Hospithal hat auer denen sonst im Amt Haina befindlichen Mhlen die bereits oben in Erwehnung gekommene Hrlemhle, welche nebst denen brigen Bedingungen der Erbleyh auch jhrlich [S. 25] 50 Malter Korn malterfrey mahlen mu. Diese und hnliche Einrichtungen gingen allenfals an. Aber das Hospithal hat auch noch 2 {quoad dominium directum et utile|direkt zur Herrschaft gehrige und zum Nutzen dienende} eigen – und leider! von ihm selbst administrirte Mhlen, die Obermhle von 3 Mahlgngen und die Untermhle von 2 Gngen nebst einer Schneidemhle. Wir finden in denen errichteten Besoldungsetats starck besoldete Mller. Wir fanden auch bey vielen andern Gelegenheiten den groen Aufwand, den diese eigenen Mhlen verursachten, und wir wurden sehr bald, ohne noch einmahl an die vielen, doch immer mglichen Unterschleiffe zu [S. 26] dencken, auf die Frage gebracht, ob die Consumtion des Hospitals zwey Mhlen erfordern und ob es auf allen Fall wirtschaftlich seye, sie selbst zu administriren.

Wir konnten beedes nicht absehen und wir dachten also auf eine vernnftige Verleyhung. Wir versuchten es, ob nicht etwa die jetzigen Mller selbst Bestnde abgeben knten und die Anlage

[am Rand: /5.] zeigt, unter was fr Bedingungen wir wrcklich mit ihnen jedoch {salva ratificatione|unter Vorbehalt der Ratifizierung} bereingekommen sind. Die weitere Anlage aber [am Rand: /6.] calculirt den bey [S. 27] dieser Einrichtung herauskommenden Nutzen.

Eigentlich knnte diese Operation als eine Erspahrnus an denen Ausgaben angesehen werden und gehrte daher weiter unten in diesen Plan. Da sie aber auch zum Theil in einer Vermehrung der Einnahme bestehet und es im Grunde immer einerley ist, wo eine Melioration ausgeworfen wird, wann sie nur an und vor sich Grund hat, so werfen wir sie hiermit aus mit jhrlichen

395 Rthl.

21 Alb.

2 Hlr.

[Am Rand: Verpfachtete Grundstcke] Es ist hier von denenjenigen die Rede, welche an den Frstl[ichen] Samt- [S. 28] Obervorsteher, sodann Beamten und Diener des Hospitals seit mehreren Jahren verpfachtet gewesen sind.

Man hat von dem wahren Ertrag dieser Grundstcke zuverlige Erkndigung eingezogen und es fr sicherer und in aller Absicht krzer und beer gehalten, einen proportionirten Aufsatz zu machen, als es allenthalben zu neueren Versteigerungen kommen zu laen.

Diese Aufstze haben wir in Gegenwart des Frstlichen Samt-Obervorstehers gemacht, welcher den Seinigen gern bernahme und bey [S. 29] einigen andern noch mit guten Nachrichten an Handen [Am Rand: /N.7.]:

56 Rthl.

31 Alb.

[Am Rand: Forstrevenuen] Was wegen derselben anzufhren nthig ist, wird weiter unten vorkommen.

Summa Verbeerung der Einnahme

452 Rthl.

20 Alb.

2 Hlr.

[Am Rand: Ausgabe] Wenn nicht die Erspahrne und Einschrnkungen der Ausgaben reichere Erndte liefern knnten, so wrde es um die Egalisirung dieses Plans immerzu sehr trb aussehen.

[Am Rand: Besoldungs-Etat] Die hiesige Samtdiener [S. 30] stehen theils so, da bey ihnen eine Zulage nicht berflig wre, zum Theil aber knnten sie wohl mit etwas wenigerem auskommen, wenn sie nicht auf das Jetzige angenommen wren. Nach Hainaischer Art fanden wir hier auch keinen Besoldungsetat und die Zuflligkeiten eines Dienstes sind nie in Anschlag gebracht worden. Wir musten uns also selbsten an diese mhsame und beschwehrliche Arbeit geben und legen den zustande gekommenen Etat hierbey. [Am Rand: /N.8.]

Mit allen unseren Bemhungen werden wir doch alles und jedes noch bey weitem nicht ausfindig [S. 31] gemacht haben und ohnehin sind viele Utilitten erst durch langes Forschen zu entdecken.

Alles in einen Geld Anschlag zu bringen, ware uns ebenfals ohnmglich. Inzwischen wird doch die Anlage alles Hauptschliche enthalten, was ein jeder hiesiger Bedienter mit Recht zu beziehen hat.

Wir haben mit sorgfltiger Genauigkeit alle Besoldungen durchgangen. Wir haben die {Incumbenz|zum Amt gehrig} eines jeden in Erwegung gezogen und zu dem Ende zur kurzen bersehung die beyliegende Instructionsextracte verfertigen laen. [Am Rand: /N. 9.]

Wir haben endlich beede gegeneinander gehalten und sind des untertnigsten [S. 32] Dafrhaltens, da an denen verschiedenen Besoldungen auf den Fall, wann die jetzigen Diener abgehen und neue angenommen werden, die in der zwoten Fals ausgeworfene Abzge stattfinden knnten.

Auf diese Zugnge wird dermahlen nichts gerechnet. Wohl aber knten sie, so wie sie nach und nach durch Dienstvernderungen entstehen bey den Revisionen des Plans in denselben aufgenommen werden. Wann einmahl alle Bedienungen durch Absterben oder auf andere Weise changiret haben, so betrgt als dann die Er- [S. 33] spahrnu an Dienerbesoldungen zusammen

518 Rthl.

1 Alb.

10 Hlr.

Wir haben aber auch darauf gedacht, ob nicht dermahlen etwas durch ein und andere Vernderungen erspahret werden knten. Und es betrgt dasjenige, was wir auf diese Weise herausgebracht haben

292 Rthl.

3 Alb.

6 Hlr.

gleichbaldige Ersparnu, wobey brigens ebenso wohl, als bey obigen eventuellen Abzgen allenthalben die ntigen Erluterungen und Bewegungsgrnde hinzu gefgt sind.

Die plansmsige Einrichtungen mit der Kche und dahin gehrige [S. 34] Branchen der Hauhaltung fruchten unter andern auch den Abgang mehrerer kostspieliger Haudiener. Diese betrchtliche Ersparne werden aber bey der Kchenverfaung in Anschlag gebracht.

[Am Rand: Kchenhauhaltung]

Grser kan ohnmglich die Verwirrung in irgend einem Stcke seyn, als sie bey der Kche ist. Und durch eine uralte unglckseelige Harmonie scheint sie gleichsam mit der grsten Kunst zu einem Unwesen ausgebildet zu seyn, wobey alle ble Hauhaltung, und die ganze Menge von kleinen und groen Verschwendungen, Unterschleiffen und Betrgereyen, [S. 35] lange Zeit verborgen blieben.

Man hat alle Jahre an diesem wichtigsten Theile der Hainaischen Wirtschafft auszubeern gesucht, aber bey dem tief eingewurzelten Verderben konnten Particularverbeerungen nicht helfen, und nur eine totale Umschmeltzung wird den Satz des bels angreifen und eine Verbeerung hervorbringen, die eben so gro als unerwartet seyn mu.

Die Mhe und Arbeit, die es erfordert hat, um nur endlich den biherigen wahren Aufwand auf die Kche, Brauerey und Beckerey zuverlig zu erfahren [S. 36] ist schlechterdings unbeschreiblich. Und das ist zugleich der strckste Bewei von der horrenden Confusion, worinnen alles begraben liegt. Mhsam muten die vielerley Arten von Aufwand aus mancherley Rechnungen zusammengesucht werden und gleichwohl bleiben bi diese Stunde viele Posten unbestimmt, die bihero nicht in den mindesten Anschlag kommen. Mehrmals muten die ganze berschlge vllig umgearbeitet werden und es entdeckten sich immer mehrere Quellen, die bihero in die Kche gefloen waren, ohne da man im geringsten [S. 37] darauf gerechnet htte. Auf diese Weise vergrerte sich der Anschlag allmhlig von 10.902 Rthl. 28 Alb. 3 Hlr. bi zu der considerablen Summe von 11.833 Rthl. 8 Alb. 9 Hlr.

Wir laen alle die vorhergehende Anschlge hinweg und legen nur denjenigen bey, der nach wiederhohlten Prfungen als der richtigste und sicherste befunden worden ist. Der Kchenaufwand belauft sich nunmehr auf jhrliche [Am Rand: /N. 10]

12.890 Rthl.

20 Alb.

7 Hlr.

Und der berschlag selbst zeigt umstndlich, was wir dabey fr Reguln beobachtet haben.

Wir haben mit genauer Sorgfalt auf Mittel gedacht, [S. 38] die dem gantzen Kchenunfug steuern und dem verfallenen Hospital eine erhebliche Erleichterung verschaffen mchte. Wir finden aber nach allen Untersuchungen keines, das den Enzweck im gantzen beer erreichen wrde, kein souveraineres Mittel, als eine mit Vorsicht eingerichtete {Admodiation|Verpachten/Outsourcen} der ganzen Kche und darzu gehrigen Brauerey und Beckerey. Lange haben wir uns neben der berhuften Menge anderer Gegenstnde mit einem Mittelding von Admodiation und Administration abgegeben. Aber alle Betrachtungen fhrten uns immer wieder auf die Admodiation zurck, die ganz allein den Plan [S. 39] eine Haltung geben und und in den Stand setzen kann, die ntige sichere Bilancen zu ziehen.

Wenn auch die Admodiation nicht gleich einen auf dem Papier zu berechnenden grosen Nutzen schafte, so wrde sie schon unumgnglich ntig sein, um nur einmahl die unzehlige Mibruche und Unterschleiffe abzuschneiden, die sonst immer so wenig zu heben seyn werden, als sie grundschdlich und verderblich sind.

Es wrde langwierige ununterbrochene Beobachtungen erfordern, wenn man das Heer von einzelnen Fehlern nur dem Nahmen nach [S. 40] kennen lernen wollte, und bey denen weitlufigsten Reglements wrde man dennoch das gantze, wie in einer constringirten bersehung bekommen.

Wir haben uns selbst den Einwurf gemacht, ob nicht bey einer Admodiation dem Armuth vielleicht zu nahe getretten werden mchte. Aber es kan durchaus nicht schlechter behandelt werden, als es jetzo geschiehet, und es wird im Gegentheil bey einigen ehrlichen Admodiateurs und bey der pnctlichen Aufsicht, die wir in der Folge untertnigst antragen werden, unstrittig gewinnen. [S. 41]

Jetzo wird man mit mndlichen und schriftlichen Klagen ber die schlechte Speiung berhuft. Und in der That ist das Schicksal der Elenden beklagenswerth, die sich hier mit einer erbrmlichen Kost abfinden laen men, inde da viele von der Schaar der Haudiener nach ihrer Art in einer gewien Schwelgerey leben und den Armen, die gleichwohl eigendlich die Hauptpersonen des Instituts sind, das Beste hinwegnehmen. Eine weit aussehende Anstalt in der Kche, zween Kche und soviel Mgde und Beyluffer haben am Mittage immer weiter nichts ausgerichtet, als ein Stck [S. 42] Ochen- oder anderes Fleisch gekocht, woran die simple – von Fettigkeit sehr geluterte Brhe die Suppe ausmacht und womit ein fters ungeniebahres Geme verbunden wird.

Fr eine Entreprise wren Kche, Brauerey und Beckerey zusammen genommen zu weitluftig und wrde nicht gehrig bersehen werden knnen. Wir sind also des untertnigsten Dafrhaltens, da diese drey Branchen der inneren Hauhaltung zu separiren seyen.

Zu dieser Absicht waren auch separirte Anschlge ntig, welche wir beylegen, und [S. 43] betrgt die Brauerey nach dem biherigen Zustand

[Am Rand: /N. 11.]

jhrlich

1.733 Rthl.

10 Alb.

11 Hlr.

[Am Rand: /N. 12.]

Die Beckerey

4.041 Rthl.

18 Alb.

2 Hlr.

Summa

5.774 Rthl.

29 Alb.

1 Hlr.

Diesem von dem toto des Kchenaufwands abgezogen

totum

12.890 Rthl.

20 Alb.

7 Hlr.

bleibt als Aufwand fr die eigendliche Kche

7.115 Rthl.

23 Alb.

6 Hlr.

Wenn man nicht bey dem Hospital einer schleunigen Hlffe benthiget wre, so wre es der gewhnliche Weg gewesen, auf eine Ausschreibung und {Subhastion|ffentliche Versteigerung} dieser Admodiationen untertnigst anzutragen. Da aber dieses alles nicht nur von weiter [S. 44] Hand, sondern auch sehr unsicher gewesen wre, und wir uns immer nicht im Stande gesehen htten, etwas Positives vorzubringen und dem Plan einen bestimten Abschlu zu geben, so haben wir uns bemhet, tchtige Entrepreneurs ausfindig zu machen und das ist uns endlich in Absicht auf die drey verschiedene Admodiationen gelungen.

[Am Rand: Brauerey.] Wie viel Bier nach der neuen Einrichtung bey dem Hospital ntig ist,

[Am Rand: /N. 13.] zeigt die Anlage. Wie wir salva ratificatione selbst mit dem bisherigen Braumeister bereingekommen und wie wir alles Ntige zu wahren auserst bemhet gewesen sind, zeigt [S. 45] [Am Rand: /N.14] die weitere Anlage. Und aus der dritten ergibt sich, da nunmehro die Brauerey jhrlich kosten wird [Am Rand: /N.15.]

1.062 Rthl.

9 Alb.

8 Hlr.

[Am Rand: Beckerey.] Die knftige Consumtion des Brods, welche ehedem zu hoch als zu gering gegriffen ist, wird aus der Beylage [Am Rand: /N. 16.] gndigst zu ersehen seyn; die fernere Beylage zeigt auf hnliche Weise, [Am Rand: /N. 17.] wie wir mit dem bisherigen Beckermeister ebenfalls {salva ratificatione contrahirt|unter Vorbehalt der Ratifizierung verhandelt} haben. [Am Rand: /N. 18.] Und endlich ist in der Beylage der diesem Plan gemse Betrag der Beckerey zu ersehen mit

2.085 Rthl.

10 Alb.

4 Hlr.

[Am Rand: Eigentliche Kche.] Nach der neuen Einrichtung fallen eine Parthie biheriger Kostgnger vllig hinweg und sind diese in der Beylage [Am Rand: /N. 19.] verzeichnet, auch die Grnde angegeben, wehalben sie wegfallen.

2.)    Wollte es ntig sein, da eine andere Parthie Haudiener aus der Kost und auf ein Gewies an Geld und Frchten gesetzet wrde. [Am Rand: /N. 20.] Dieses ist in der weitern Belyage mit Beyfgung der ntigen Erluterungen geschehen, und wird der Betrag weiter unten ausgeworffen werden. [S. 47]

3.)    Haben wir in verschiedenen Stcken mit Anfhrung der Bewegungsgrnde abgenderten Regulativ der verschiedenen Arten von Kost entworfen, [Am Rand: /N.21.] und

4.)    ein Verzeichnu derjenigen Personen errichtet, welche diese verschiedene Kosten knftig plansmsig genieen werden, ferner legen wir

5.)    denjenigen Accord bey, den wie salva [Am Rand: /N.22.] ratificatione mit dem hiesigen Wirth Merle, einem ehrlichen, activen und vermgenden Manne et Consorten abgehandelt haben, und sind in dem subadjuncto die erforderliche Erluterungen ebenfals angebracht. Endlich berechnet [S. 48] [Am Rand: /N. 23]

6.)    die Beylage den Aufwand, der auf diese Weise bey der Kche knftig seyn wird, und womit solche jhrlich fglich bestehen kann [Am Rand: /N. 24.]

5.568 Rthl.

22 Alb.

Umb nun die durch alle diese operationen entstehende jhrliche Ersparnu kurtz bersehen zu knnen, so rechnen wir den plansmsigen Aufwand fr die Brauerey, Beckerey und eigendliche Kche hier zusammen

Rthl.

Alb.

Hlr.

Brauerey pag. 44

1.062

9

8

Beckerey p. 45

2.085

10

4

Eigendliche Kche p. 46.

5.568

22

-

summa

8.716

10

-- [S. 49]

und ziehen nunmehro diese Summe von dem biherigen Aufwand ab

Biheriger Aufwand p. 37

12.890

20

7

Die vorherige plansmige Summe

8.716

10

-

Abgezogen bleibt

4.174

10

7

Welche 4.174 Rthl. 10 Alb. 7 Hlr. wir also aus den durch die neuere salva ratificatione zu Stande gebrachten Reglements entstehenden klaren Nutzen nicht nur hier ansetzen, sondern auch bey dem Abschlu des Plans annehmen werden.

[Am Rand: Kleiderey] Diese kostet nach dem 9-jhrigen Durchschnitt jhrlich

1.555 Rthl.

24 Alb.

2 Hlr. [Am Rand: /N. 1.]

Und noch im vorigen Jahr beliefe sie sich nach der Anlage au [Am Rand: /N. 25.]

1.246 Rthl.

14 Alb.

3 Hlr. [S. 50]

Es sind darunter die eigendliche Kleydung der Hospitaliten und Haudiener, die Bettung und das bey der Landwirthschaft erforderliche Gerth an Scken und dergleichen begriffen. Und das alles hat keinen Fu, keine bestimte Ordnung, wohl aber herscht auch hierin eine Menge von Mibruchen und Unterschleiffen. Wir bescheiden uns gerne, da mit Leuten, die gantz oder zum Theil ihres Verstandes und ihrer Sinnen nicht mchtig sind, in Ansehung der Kleidung keine sonderliche Ordnung mglich seye. Aber im Gantzen mu sich doch immer ein gewier Fu festsetzen laen, zumahl da die mehrsten Hospitaliten nur [S. 51] alt und gebrechlich sind, und folglich die Schonung ihrer Kleidungsstcke von ihnen gefordert werden kann.

Es komt darauf an, da

1.)   allen Hospitaliten, die eines Befehls fhig sind, die Kleidung wenigstens auf zwey – auch nach befinden – drey Jahre gegeben und ihnen dabey angekndiget wird, da sie solche schonen und nicht muthwillig verderben, widrigenfals sich gewrtigen sollen, da ihnen dann ohngeachtet vor Ablauf der bestimten Zeit keine neue gegeben und sie dabey mit einer Hospitalitten Strafe angesehen werden sollten. [S. 52]

2.)   mu [d]er Einkauff des Zeugs und Zugehrigen oeconomischer als biher besorgt,

3.)   mit dem abgelegten pp rthlich zu Wercke gegangen besonders auch

4.)   das Bettzeug recht in Obacht genommen werden.

Wir haben durch den Kchenmeister ein Verzeichnu der Personen errichten laen, welche zu kleiden sind, und dabey einen berschlag von Ihme verlangt, was ein jeder in zwey Jahren [Am Rand: /N. 26.] kosten mchte.

Wir haben ein hnliches Verzeichnus von der Bettung verlangt; aber beyde sind zu hoch gegriffen. [Am Rand: /N. 27.] Wir fanden dahero nthig, alles was die Kleydung [S. 53] betrift, mit dem Frstlichen Samtobervorsteher durchzugehen, und da

1.)   nach den neuen Einrichtungen viele Personen aus der Kleidung komen, da [Am Rand: /N. 28.]

2.)   der biherige betrchtliche Aufwand an Linnen bey der Kche, bey der Beckerey, Brauerey und bey denen Mhlen schlechterdings aufhret, da

3.)   insbesondere der Mibrauch der Hospitalsscke (denn diese waren biher die gemeine Scke vor gantz Haina und der Gegend) schlechterdings aufhren mu, da

4.)    ein bis jetzo zum Bewei einer unglaublichen Unordnung gntzlich ermangelndes [S. 54] Inventarium des Bettwercks zufolge des diejhrigen Moniti ereichet werden wird.

Endlich aber auch

5.)   die in Abschrift beyliegende [Am Rand: /N. 29.] ntzliche Verordnung whrender Visitation von dem Frstl[ichen] Samtobervorsteher erlaen worden ist und befolgt werden mu. So sind wir des Dafrhaltens und ist der Frstl[iche] Samtobervorsteher auch seines Orts der zuversichtlichen Meynung, da knftig smtliche Kleidung und Bettwerck mit jhrlichen

900 Rthl.

fglich bestritten werden knne.

Wir haben bey allen Gelegenheiten die Regel [S. 55] {obstrahiret|beachtet}, da es in Haina sehr ntig seye, allenthalben, wo nur Ausscheiffungen mglich sind, unverbrchliche Grentze zu setzen. Der Erfolg wird es zeigen, da man zwar bihero viel verthan hat, da man aber auch mit Wenigerem auskommen kann, wenn es nicht mehr frey stehet, in den Tag hinein zu handeln.

Der biherige Auswand auf die Kleidung betrug

Rthl.

Alb.

Hlr.

1.555

24

2

dem Plan gem

900

-

-

Abgezogen bleibt zur Ersparnu jhrlich

655

24

2

[Am Rand: Artzney und Artztlohn] Hat nach dem 9-jhrigen Durchschnitt bihero [S. 56] jhrlich ertragen:

261 Rthl.

4 Alb.

Wir legten zur Probe ein Conto dieser Art bey, wenn solches nicht allzu weitluftig wre, und halten brigens dafr, da diese Ausgabe gleich der vorigen einzuschrncken und dafr ein gewies Quantum festzusetzen seye.

Der Chirurgus ist fr sich hinlnglich besoldet. Die mehresten Hospitaliten sind keiner Cur und folglich auch keiner Artzeney fhig. berhaupt wre fleisig auf {simplicia|unvermischte/einfache Medikamente} zu sehen, und wren nicht ohne Noth {composita|zusammengesetzt} zumalen {exotica|auswrtig/exotisch} zu brauchen. Die Artzeney knte [S. 57] in diesem und manchem andern Betracht mit jhrlichen

100 Rthl.

gar fglich bestritten werden und wre diese Summe unter keinerley Vorwand je zu berschreiten.

Biheriger Aufwand auf Artzney und Artztlohn

Rthl.

Alb.

Hlr.

261

4

-

Plansmsig

100

-

-

Abgezogen ergibt sich die jhrliche Ersparnu von

161

4

-

[Am Rand: Bauwesen] Dieses kostet nach dem 9-jhrigen Durchschnitte jhrlich

1.417 Rthl.

5 Alb.

2 Hlr.

es sind aber auch von lteren Zeiten bi hieher immer viel berflu, Mibruche [S. 58] und Verschwendungen mit untergelaufen.

Bey denen auerst bedencklichen Umstnden des Hospitals ist es wohl der erste in die Augen fallende – und schon dem {sensu communi|gesunde Vernunft} geme Satz, alles neue Bauwesen mu schlechterdings und ohne einige Ausnahme {cessiren|unterbleiben}.

Das Hospital hat in der That keinen Mangel an Gebuden. Es hat ihrer mehr, als es haben sollte. In vorigen beeren Zeiten bauete man nach Gefallen bald hier, bald da, und daraus ist besonders auch die Menge von bel ausgedachten [S. 59] kleinen und grsern Anbuen und wunderlichen Erckern entstanden, die doch immer nchst den Hauptgebuden kostspielig zu unterhalten sind.

Das {arbitraire|zufllige} Zuthun abthun und was dergleichen detaillirtes Bauwesen ist, mu ebenfals cessiren. Und wann hier oder da berflige Gebude sind, so ist es rtlicher, sie ganz eingehen zu laen, als jhrlich unntige Unterhaltungskosten zu tragen.

In denen Vogteyen nimt das Bauen kein Ende und die Unterhaltungskosten der Vogtswohnungen sehr ofters mit dem [S. 60] Betrag der gantzen Vogteyrechnung in gar keinem Verhltnus, sogar hat schon verschiedentlich aus der hiesigen Rentherey Geld zugeschoen werden men.

Sicherer Erkundigung nach sind jetzo die Vogteyhuer in einem solchen Zustande, da sie dauren knnen und kleinere Reparationen men ohnehin die Vgte durchaus selbsten bestreiten.

In denen Vogteyrechnungen darf also von nun an und bi auf beere Zeiten nicht das Mindeste mehr fr Bauwesen in Ausgab pairt werden.

Mit denen Wohnungen [S. 61] der hiesigen Beamten und Diener wre es auf hnliche Weise zu halten, nur mit dem Unterschied, da hier ehender, als in denen entlegenen Vogteyen, besonders {tempore visitationis|zu Zeiten der Visitation} nach Befinden ab- und zu gethan werden kan.

Am allermehrten wre auf die Unterhaltung der oeconomischen Gebude, besonders auch der sehr verfallenen Ringmauer zu sehen, jedoch letztere nur succesiv zu repariren.

Das Project, sie auf einmahl wieder herzustellen, harmonirt nur mit Umstnden, die etwa nach 30 Jahren wieder vorhanden seyn knten.

Wir knnen zu [S. 62] Vermeydung auerordentlicher Weitluftigkeiten hier nicht in das Detail eingehen. Wir sind aber berzeugt, da, wann vorstehende Grundstze, wann verschiedene andere theils in diesem Plan, theils in dem diesjhrigen Visitationsrecesse versehenen Anordnungen pnctlich beobachtet werden, da alsdann das hiesige Bauwesen hchstens mit Jhrlich

500 Rthl.

wohl bestritten werden kann.

Holtz und Steine, Kalck und Ziegel sind hier theils in gar keinem, theils in einem sehr geringen Werthe. Die Handlanger bey [S. 63] dem Bauwesen knnen ofters auch aus Hospitaliten bestehen und was dergleichen Vortheile mehr sind, die alle im Ganzen sehr betrchtlich ausfallen. [Am Rand: /N. 30.] Zum berflu haben wir auch noch anliegendes {parere|??} erfordert, und stimt solches damit berein, da das smtliche Bauwesen in vorstehendermae mit der ausgeworfenen Summe bestritten werden knne.

Bisheriger Aufwand

1.417 Rthl.

5. Alb.

2 Hlr.

Plansmsig

500 Rthl.

-

-

Abgezogen bleibt Ersparnu

917

5

2

[Am Rand: Dienst- oder Frohndverfaung] In diesem Stcke herscht ebenfals die unordentlichste und verdorbenste Haushaltung, [S. 64] eine Verwirrung beynahe ebenso gro als bey der Kche. Je weiter man fragte, desto mehr entdeckte man die unverzeihlichsten Mibruche und allenthalben ruinirte dieser Unfug die Unterthanen, aber gewi auch das Hospital.

Wir haben alles durchgedacht, was unsers unzielsetzlichen Dafrhaltens zur grndlichen Reformation dieses Unwesens gereichen knnte, und zur Gewinnung der Zeit haben wir unsere Gedanken durch den geschickten und mit einem lblichen Eyfer versehenen Samtamtsvogt Kuchenbecker [Am Rand: /N. 31.] in der Anlage antworten laen, worauf wir uns mit [S. 65] gndigster Erlaubnu beziehen.

Die Dienste zur Kche, zur Beckerey, zur Brauerey, zu den Mhlen fallen mit in den im ganzen sehr kostspieligen Ausspeiungen verschiedener Art in Absicht auf das Hospithal vllig hinweg.

Bey denen Bauwesen werden sie ebenfalls sehr eingeschrnckt. Diese Ersparne sind aber effectiv schon im Anschlag. Hingegen rechnen wir in Absicht der brigen Verbeerungen sicherlich auf jhrliche

100 Rthl.

-

-

Ersparnu, diese jedoch specific zu calculiren ist in verschiedenem Betracht schlechterdings unmglich. Doch sind wir berzeugt, [S. 66] da ehender mehr, als weniger heraus kommen werde.

Abschlu des Plans

Rthl.

Alb.

Hlr.

Die gantze Einnahme des Hohen Hospithals Haina, incl[usi]v der Vogteyen bestehet nach dem {rectificirten|aufgerichteten} Generaletat Nr. 1 in jhrlichen

41.599

11

-

Hinzu komen die neuen Verbeerungen und zwar p. 27 dieses Plans von denen Mhlen

359

21

2

an verpfachteten Grundstcken, Bchen und Teichen, p. 29

56

31

-

Summa.

42.051

31

2

[S. 67]

Durch die plansmsige neuere Einrichtungen wird an der biherigen jhrlichen Ausgabe ersparet.

An der Ausgabe Besoldungen pag. 33

292

3

6

An der ganzen Kchenhauhaltung incl[usi]v Beckerey, Brauerey pag. 40. die betrchtliche Summe von

4.174

10

7

An der Kleyderey pag. 55

655

24

2

Artzney- und Artztlohn pag. 57

161

4

-

An dem smtlichen Bauwesen pag. 63

917

5

2

Durch beere regulirung des Dienstwesens pag. 65

100

-

-

Summa plansmsiger Ersparne

6.300

15

5 [S. 68]

Nunmehro ziehen wir diese Summe von der biherigen Totalausgabe ab:

Biherige Totalausgabe nach dem 9-jhrigen Durchschnitt vide N. 1

42.588

15

3

Plansmsige Ersparne

6.300

15

5

Abgezogen bleibt plansmsige Ausgabe

38.987

31

10

Plansmsige Einnahme und Ausgabe miteinander verglichen

Einnahm

42.051

31

2

Ausgabe

38.987

31

10

Lst sich nicht nur letztere mit ersterer bestreiten, sondern es bleibt noch statt des vorhinnigen

jhrlichen Mangels von 3.689 Rthl. 4 Alb. 3 Hlr. jhrlicher berschu

3.063

31

4 [S. 69]

Schuldenween des Hospithals.

Das erste woran wir nunmehro dencken knnen, ist die Tilgung der schweren Schuldenlast.

[Am Rand: /N. 32.] Das Hospital hat nach der Anlage verzinliche und unverzinliche Schulden. Da aber der Credit doch einigermasen erhalten seyn will, auch die Conto Glaubiger, ohnerachtet sie freylich an den Preien hohe Zinen vorgeschlagen haben, doch nicht gnzlich im Stich gelaen werden knnen, so ist wohl leyder! nichts brig, als die unverzinliche Schulden durch eine bald thunlichste Aufnahme in verzinliche zu verwandlen und macht also die ganze Schuldenlast, [S. 70] wann wir nicht diesem Plan alle nur mgliche Dauer und Sicherheit zu geben wnschten; so knten wir vielleicht von dem p. 68 berechneten berschu ein Mehreres annehmen. Aber fr Rechnungsirthmer (denen wir uns jedoch nicht bewut sind) und sonsten nehmen wir nur an, da von dem Gantzen der 3.063 Rthl. 31 Alb. 4 Hlr.s jhrlich brig bleiben werden

1.000 Rthl.

Wodurch dann smtliche Schulden ohngefehr erst in 30. Jahren bezahlt seyn wrden.

Inzwischen hoffen wir mit vieler Zuversicht, da sich das Amortisationsquantum in der Folge auf [S. 71] auf mehr als eine Weise betrchtlich vermehren werde.

Die Waldungen bieten nach denen Antrgen der Waldvisitation de anno 1771 eine grose Menge forstmsig zu schlagendes Holtz dar und es ist nicht nur zu wnschen, sondern auch in mehr als einem Betracht zu hoffen, da man damit Absatz finden werde. Die benachbarte Htten- und Hammerwercke werden desselben zum Theil in Kurtzem bentigt seyn und es werden sich auch andere Gelegenheiten zum Absatz finden, welches alles wir jedoch nherer frstlicher Correspondenz ausgesetzt seyn laen.

Die brige bey der Abhandlung der Einnahm vor- [S. 72] gekommene Gegenstnde die Landwirthschaft, die Pottascherey und s[o] f[ort] werden sich durch die einzufhrende Verbeerung von Tage zu Tage erbiebiger zeigen und man wird sich im Stande sehen, mit immer strckeren Schritten der Schuldentilgung entgegen zu eilen.

 

[Am Rand: Schlieliche Antrge] Unter die schlieliche Antrge dieses Plans gehren brigens nunmehro nachfolgende:

I. Wann der Plan die Hchste Genehmigung erhalten wird, so wre solcher dem Frstl[ichen] Samtobervorsteher durch ein gndigstes Samtrescript mit allen Beylagen baldigst bekandt zu machen.

II. Der Samtobervorsteher htte als- [S. 73] dann ohne einigen Zeitverlust smtlich concernirende Subalternen die ntigen Befehle und Extracte aus dem Plan zuzufertigen.

III. Insbesondere fr die gleichbaldige frmliche Ausfertigung der Admodiationscontracte zu sorgen und solche vorhero im Concepte zur Hchsten Ratification untertnigst einzusenden.

IV. Weil sich alles beer rangirt und abschliet, so wrde der Plan mit dem 1ten January knftigen Jahres seinen Anfang nehmen.

V. Ohne Ansehen der Person und mit nachdrcklicher Strenge mte ber die genaueste Beobachtung des Plans in allen seinen Theilen gewacht und zu dem Ende hauptschlich [S. 74]

VI. bey jedesmahliger Samtvisitation von dem Frstl[ichen] Samtobervorsteher eine umstndliche Relation mit allen erforderlichen Anlagen abgelegt – und darinnen Punct vor Punct gezeigt werden, wie der Plan in allen Stcken beobachtet und ausgefhret worden seye.

VII. Da nach dem vorhergehenden viele knftige Verbeerungen der Einnahme, auch fernere Einschrnkungen der Ausgabe, noch zur Zeit in keinen Anschlag gebracht worden sind, dieses aber doch nach und nach, so wie die Verbeerungen auf einen dauerhaften Fu kommen, geschehen mu, so wre nach der bereits oben geuerten [S. 75] ohnzielsetzlichen Meynung allemahl nach Verlauf dreyer Jahren eine kurze Revisison des Plans, bey der ohnehin von dem Samtobervorsteher abzulegenden Relation vorzunehmen. Und auf diese Weise durch jedesmalige dreyjhrige berschlge die inzwischen entstandene Vermehrung der Einnahme und Verminderung der Ausgabe in den Plan zu recipiren, hierdurch aber das Amortizationsquantum verhaltnusmsig zu erhhen.

VIII. Da durch die plansmsige Einrichtungen manchem seine biherige unrechtmasige Vortheile sehr beschnitten werden, so kann man voraussehen, da es an Halsstarrigkeiten und niedriger Cabale nicht fehlen wird. Mit unnachsichtlicher Strenge wre daher [S. 76] gegen diejenige zu verfahren, welche sich dergleichen nur im Geringsten unterfangen. Und besonders wren die verschiedene Entrepreneurs eben so sehr fr allem Schabernack und fr hinterlistigen Nachstellungen zu schtzen, als man sie auf der anderen Seite mit Nachdruck zu ihrer Schuldigkeit anhalten wird.

IX. Ein und andere Bedienten thut bei dem schleichenden Mechanismo, in den sie schon lange gerathen sind, eine sehr lebhafte Ermunterung und zum Theil ein starcker Antrieb ntig, wann anders der Dienst nur mit einigem Eyfer geleistet werden soll.

X. Sollte sich bey ein oder dem der anderen Entreprise einiger Anstand finden, so wrde der gewhnliche Weg einer sub- [S. 77] hastation freylich einzuschlagen seyn, obgleich alsdann das sichere und gewie des berschlags immer in einem Stcke so lange wegfallen wrde, bi das {licitatum|Gebot} wieder bilanciret wre.

X [sic!] Dencken wir noch an die Kche, die durch den Plan gantz ausfallen werden, wann sie nicht die Entrepreneurs beybehalten und wenn sie nicht etwa sonst ihr Unterkommen finden knnen, so wre der Samtobervorsteher anzuweisen, sie baldthunlichst z[um] E[xempel] als Aufwrter zu placiren.

Hohe Samthospithalien Hoffheim, Merxhauen und Gronau

 

So wie wir nach unserm besten Wien und Gewien den mhsamen und umstndlichen Plan fr das Hospithal Haina entworfen haben, so wnschten wir auch, da wir fr die [S. 78] brigen Hospithalien das Nemliche zu leisten im Stande wren. Allein es flt und dieses schlechterdings unthunlich.

Einestheils hat uns die hiesige nie gnug zu ergrndende und unbeschreibliche Confusion alle Zeit weggenommen, und anderentheils wrde ohne local Untersuchung dennoch nie etwas treffendes zum Stande gekomen seyn. Zum Theil ermanglet alle local Kentnu, zum Theil hat man doch bey vorhergehender Spezialvisitation diejenige Gegenstnde und Gesichtspuncte nicht gehabt, welche numehro vorkommen. Wir konten also nichts zustande bringen, als die in den Anlagen befindliche Etats, [Am Rand: /Lit:a. /Lit:b. /Lit:c. /Lit:d. /Lit:e. /Lit :f.] auf deren Zuverligkeit wir jedoch beynahe eben so wenig bauen knnen, als auf die ersten Etats, die hier verfertiget wurden, und die man wiederhohlt wegwerffen mute, bi endlich solidere zu Stande kamen.

Es [S. 79] hangt nunmehro von Hchstem Gndigstem Gutbefinden ab, ob die brige Samthospitalien ebenfals gegen Herbst visitirt und nach vorhergegangenen uerst notwendigen Localuntersuchungen fr jedes derselben ein hnlicher Plan entworffen, hierdurch ihrem gnzlichen Verfall vorgebeuget und ihre knftige Wiederaufnahme nach Mglichkeit gegrndet werden solle.

Haina, den 29ten Juny 1773

 

Von beeden gndigsten Herrschafften zu diesem Plans-Geschfte gndigst verordnete  Commissarij

Heen-Darmstatt

Heen-Cael

G. C. Stockhausen

J. W. Ihringk

J. M. A. Mller

J. D. Grimmel

A. von Haller"

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